Mini Serie: Boom des mobilen Internets – Teil 3

Im dritten und letzten Teil der Mini-Serie geht es um die FOLGEN, die der Boom der mobilen Internetnutzung für die Branche hat.

1. Neuverteilung der Wertschöpfung

Vor dem Zeitalter der Smartphones gab es praktisch keine massentaugliche Möglichkeit, das Internet mobil zu nutzen. Stattdessen gab es WAP.

WAP war und ist eine Art „Mini-Internet“, dass typischerweise vom Mobilfunkbetreiber angebotene Inhalte bietet. Das Geschäftsmodell war ein Walled-Garden: Die Nutzer konnten nur vom Portal des Providers (T-Zones, iMode,…) auf ausgewählte Dienste und Inhalte zugreifen. Alles andere, was außerhalb dieses Walled-Gardens lag, war nicht erreichbar. Die Mobilfunkanbieter kontrollierten also das gesamte Angebot:

Wertschöpfungskette mobiles Internet

Wertschöpfungskette mobiles Internet

Mit den in Teil 2 dieser Serie beschriebenen Entwicklungen wurde das Internet mobil nutzbar. Die Folge: Die Platzhirsche des Netzes und digitalen Content-Businesses strömen in die mobile Wertschöpfungskette und machen den Mobilfunkern die Hoheit über die mobilen Services streitig.  Apple verfügt beispielsweise durch iTunes sogar über eine direkte Kundenbeziehung zu seinen iPhone Nutzern und bietet zahlreiche Inhalte zum Kauf an. Apple schneidet sich damit ein gehöriges Stück von der Wertschöpfung mobiler Datendienste heraus.

Google dagegen bietet mit seinen VoIP Diensten sogar eine direktes Konkurrenzprodukt zum Kerngeschäft der Mobilfunkanbieter an. Und Apple legt mit seinem Video-Telefoniedienst nach.

2. Mobilfunkanbieter verlieren an Bedeutung

Die Mobilfunkanbieter werden durch den Eintritt zahlreicher neuer Anbieter von Diensten und Inhalten zunehmend austauschbar. Welche SIM-Karte im Smartphone steckt, ist für die Nutzung von mobilen Diensten paraktisch belanglos geworden.

Rolle der Mobilfunkanbieter

Daher droht den Mobilfunkanbietern die Rolle von mobilen Internetserviceprovidern (ISPs) zu zufallen: Austauschbar, primär durch den Preis zu unterscheiden. Damit wiederholt sich im mobilen Netz die Geschichte von AOL: Das einstige Tor zum Internet mit einem eigenen Angebot an Inhalten und Services wurde von der Vielfalt des Netzes und den unzähligen Anbietern vom Markt gefegt.

3. Das Ende der Flatrates?

Im zweiten Teil wurde es schon angedeutet: Durch den Boom der mobilen Datendienste ist die Auslastung der mobilen Netze in die Höhe geschnellt. Seit der Einführung des iPhones kam es bei AT&T in den USA beispielsweise wiederholt zu Netzzusammenbrüchen wegen Überlastung.

In den USA beanspruchten mobile Datendienste im Jahr 2008 bereits fast 70% der Übertragungskapazitäten, steuerten allerdings nur 14% des Umsatzes bei.

Die Mobilfunkanbieter werden schon in naher Zukunft gezwungen sein, ihre Netze auszubauen und in neue Technologien wie LTE zu investieren, um die Nachfrage nach schnellen mobilen Breitbandverbindungen zu befriedigen.

Umsatz-Kosten Schere

Umsatz-Kosten Schere

Doch die Umsatz-Kosten-Schere macht das wenig attraktiv. Daher ist mittelfristig  ein Ende der Flatrate-Party abzusehen. In Zukunft werden mobile Datentarife nicht nur nach einem bestimmten Volumen gedrosselt, sondern es wird auch eine Differezierung bei den Geschwindigkeiten geben. Vodafone hat hier mit seinen neuen Tarifen (ab 1.12.2010) die Voreiterrolle übernommen. Andere werden sicherlich folgen.

Die zukünftige Rolle der Mobilfunkanbieter wird und ist schon jetzt eine andere als in der Vergangenheit. Die Wahl des Netzbetreibers spielt nur noch eine untergeordnete Rolle und wird auch bei mobilen Datendiensten stark vom Preis beeinflusst. Schaffen die Mobilfunkanbieter es nicht, sich durch exklusive Inhalte oder Endgeräte zu differenzieren, werden sie wie einst AOL, drastisch an Bedeutung verlieren und wie ein ISP nur noch für das reine Zugangsgeschäft zuständig sein (Bit Pipe).

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