Walled Gardens, Apps und Paid Content

Walled Gardens – ein Relikt längst vergessener Wap-Zeiten? Keineswegs.

Smartphone Plattformen wie Android und insbesondere Apples iOS sind geschlossene Systeme, die einer zentralen Kontrolle unterliegen. Entscheidende Merkmale des Walled Garden Modells. Walled Garden bezeichnet ein geschlossenes System, in dem sich die Nutzer bewegen können. Wer innerhalb dieses Modells Inhalte (Apps) anbieten möchte, muss dafür einen virtuellen Grenzübergang passieren – den App Store. Hier wird eine Umsatzbeteiligung von 30% fällig, sofern die App überhaupt zugelassen wird.

Der Betreiber der Plattform bestimmt also darüber, welche Inhalte dem Nutzer zugänglich sind, und welche nicht. Dieses Modell hat zahlreiche Vorteile: Die zentrale Kontrolle ermöglicht einen gewissen Qualitätsstandard und Sicherheit für den Nutzer. Des Weiteren garantiert das geschlossene System eine einfache Bedienbarkeit und minimiert technische Probleme.

Erkauft werden diese Vorteile durch eine Einschränkung der Wahlmöglichkeit des Nutzers: Ihm wird eine Vorauswahl an Apps präsentiert, die er akzeptieren muss. Des Weiteren kann er nicht aus dem Walled Garden ausbrechen und beispielweise Apps aus dem Android Market installieren. (Auf die Möglichkeit eines Jail-Brakes wird an dieser Stelle nicht eingegangen)

Durch die Smartphones wurde also ein in sich geschlossenes mobiles Netz geschaffen, was die Distribution von Inhalten angeht. Der zentrale App Store und die sichere und einfache zentralisierte Bezahlung haben auf dem Smartphone einen lukrativen Markt geschaffen, in dem etwas verwirklicht wurde, was im Internet noch weit entfernt scheint: Eine Zahlungsbereitschaft für digitalen Content zu generieren und diese abzuschöpfen.

Apps und Paid Content

Die mobilen Ökosysteme stellen also ein ideales Umfeld für Paid Content dar. Jüngstes Beispiel ist die Bild Zeitung als Beispiel für die digitale Strategie von Axel Springer. Mit der Einführung des kostenpflichtigen Bild App auf dem iPad wurde die freie Internet Seite Bild.de auf dem iPad gesperrt. Der Erfolg von Axel Springer zeigt, dass es also durchaus eine Zahlungsbereitschaft für digitale journalistische Inhalte gibt.

Quelle: http://www.axelspringer.de/presse/Premium-Initiative-fuer-kostenpflichtige-digitale-Angebote-Axel-Springer-zieht-nach-einem-Jahr-erste-positive-Zwischenbilanz_1590099.html

Quelle: Axel Springer Verlag

Es wird aber auch deutlich, dass die geschlossenen Systeme wie iOS einen erheblichen Kontrollverlust für die Konsumenten bedeuten. Das freie Internet wird eingezäunt und durch einen Walled Garden ersetzt.

Gegenwärtig beruht die Umsetzung von Paid Content auf der Nutzung von Apps. Der Nutzer kauft eine App im App Store und installiert diese auf seinem Smartphone/Tablet. Die Zahlung erfolgt dabei über den App Store. Durch die Einfachheit und Zentralisierung des Bezahlvorgangs ist die Schwelle für den Kauf von Inhalten auf ein Minimum herabgesetzt worden.

Allerdings glauben 60% der Journalisten selbst nicht daran, dass kostenpflichtige Apps ein tragfähiges Geschäftsmodell sein könnten.

Apps nur eine Mode-Erscheinung?

Möglicherweise handelt es sich bei den Apps jedoch nur um eine Art Zwischenlösung. Denn neben den genannten Vorteilen haben Apps auch zahlreiche Nachteile, je nachdem aus wessen Perspektive man die Situation betrachtet. Aus Sicht der Plattform Betreiber wie Apple oder Google sind Apps ideal, um die Nutzer an ihre Plattform zu binden, um am Content mitzuverdienen und das Angebot zu kontrollierern.

Aus Sicht der Publisher und Telcos gibt es jedoch auch erhebliche Nachteile: Sie müssen ihren Umsatz mit Paid Content teilen. Und wa noch schwerer wiegt: Sie haben keine direkte Rechnungsbeziehung zum Kunden, wie Apple via iTunes. Das erschwert die Kundenbindung und erhöht die Abhängigkeit vom Plattformbetreiber. Desweiteren müssen Publisher ihre Apps auf die unterschiedlichen Plattformen anspassen und pflegen, was zusätzliche Kosten verursacht.

Aus diesen Gründen ist es fraglich, ob Apps der Standard für Paid Content Lösungen auf mobilen Geräten bleiben werden. und damit eine nur eine Mode-Erscheinung waren. Eine Alternative wäre ein gemeinsamer App Standard über alle Plattformen hinweg, was allerdings eher nicht im Sinne von Apple sein dürfte. Die Nutzung Webbasierten Applikationen (HTML5) stellt dagegen eine realistische Option dar und würde die Macht der Plattformbetreiber drastisch reduzieren. Es gibt bereits Anbieter, die sich darauf spezialisiert haben, den Look & Feel einer App ins Internet zu übertragen (Youtube Video).

Und Paid Content?

Die Publisher sollten ihre digitalen Vertriebswege differenzieren und ihr heil nicht allein im App Store suchen. Ob die Döpfner-Euphorie bezüglich des App Stores und des iPads als neue digitale Zeitung ein nachhaltiges Geschäftsmodell ist, bleibt sehr fraglich. Das Paid Content Problem ist noch nicht gelöst.

Einige weitere interessante Artikel zu diesem Thema:

Notizen.Posterous.com

Netzökonom

Vision Mobile: Vergleich von Apps vs. Web 3.0

Wired: The Web is dead. Long live the Internet

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